Labor des Lebens


Es ist an der Zeit meine Leier, die Lila, vorzustellen und ihr einen würdigen Start in unserem elektrischen Block zu geben. Dieser Blockeintrag dreht sich um das Thema Musik. Ich nähere mich der Frage, ob unsere Radgeigenmusik einen Beitrag zum Frieden unter den Menschen leisten kann.

Bitte hör jetzt mal hin, was in deiner Umgebung für Geräusche sind. Ich höre gerade das leise Pusten des Laptoplüfters und die Regentropfen, wie sie auf dem Hausdach prasseln, außerdem noch fahrende Autos und das Tippen und Klacksen der Tastatur. All diese Geräusche sind Schallwellen oder auch bewegte Luft. Treffen diese auf unser Trommelfell im Ohr, werden sie auf komplexe Weise in elektrische Impulse umgewandelt. Sie gelangen dann in tiefere Hirnregionen, die für die Steuerung unseres Körpers von großer Wichtigkeit sind (Bossinger, 2016). Wahrscheinlich ist die sofortige Deutung dieser Signale von außen instinktiv geregelt: Kampf oder Flucht. Ist das ein Leopard, der sich aus dem Dschungel anschleicht oder ist es eine hübsche Amazone, die ein Vergnügen sucht? Es muss sofort entschieden werden, was zu tun ist. Die Schallwellen werden in das limbische System „geführt“ und von dort werden beispielsweise Herzfrequenz und Atmung reguliert. Gefühle und Gedächtnisprozesse stehen auch in enger Verbindung mit dem limbischen System. Die Anpassung der emotionalen und vegetativen Prozesse (z.B. Atemregulierung, usw.) an sich verändernde Umweltbedingungen ist ein Stück weit komplexer, ich möchte hier aber erst mal einen Schnitt machen und einen Bezug zu unserer Radgeigenmusik herstellen.

In den vergangenen Monaten spielten wir öfter Straßenmusik. Wir konnten beobachten, wie sich die Schallwellen unserer Drehleiern auf die emotionalen und vegetativen Prozesse unserer Zuhörer ausgewirkt haben. Wir haben zwei Kindern (ca. 4 Jahre alt) zugeschaut, wie sie klatschend, glucksend und lachend umhergesprungen sind, du hättest mal ihre großen Augen sehen sollen. Einfach schön! Umso schöner ist es, wenn man bedenkt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche über Stresssymptome klagen in unserer reizüberfluteten und schnelllebigen Welt. (Bossinger, 2006)

Manche Zuhörer blieben sehr lange stehen und lauschten unseren Tönen. Manche sprachen von „heilenden Klängen“. Nach einer Straßenmusik sagte uns ein Zuhörer, dass es etwas mit seinem Geist gemacht hat. Ein anderes Pärchen sprach von „das klingt wie Musik aus einem anderen Universum“. Einfach krass schön, danke für diese Erfahrung von Verbundenheit, Leute!

Ein Hochzeitpärchen, auf deren Hochzeit wir im Herbst spielten und sangen, schrieb uns folgende Mail als Dankeschön für unser Konzert:

“Es war so wunderschön! Ihr habt uns und alle Gäste restlos verzaubert. So tiefe Momente gibt es nicht sehr oft, bei denen alle so dabei sind wie gestern. Es war einfach zu perfekt im Dämmerlicht, bei Feuerschein, mit euren wundervollen Instrumenten und Stimmen. Wir danken euch von Herzen und schweben noch etwas vor uns hin.”

Foto: Chris Zielecki


Hans, ein technikaffiner Freund und wie wir ein wichtiger Forscher in der University of Life (Special Masterdegree in the Ganzkleinhirnforschung), besitzt einen mobilen EEG. Dieser Elektroenzephalograph ist vereinfacht ausgedrückt so eine Art Badekappe mit Computer dran. Wenn man sich diese über den Kopf zieht und an einen Laptop anschließt, erkennt der Laptop die Hirnströme, d.h. das Erregungsniveau auf diversen Hirnarealen. Die Ströme werden dann in Diagrammen angezeigt und schnell kann erkannt werden, wie die Areale schwingen und arbeiten.

senkrechter Schenkel misst die Millivolt und der waagrechte Schenkel die Herz (Hz)

Allgemeine Erklärung: Wir hatten eine Badekappe mit 8 Elektroden, daher auch 8 Schwingungskurven im oberen Diagramm. Im unteren Diagramm: Der senkrechte Schenkel misst die Amplitude (quasi die Stärke der elektrischen Ströme) und der waagrechte Schenkel die Frequenz in Hertz (Hz). Es gibt genaue Aufdröselungen der Frequenzen. Sie werden in 5 Kategorien eingeteilt und beinhalten Erlebenszustände vom Tiefschlaf bis hin zu transzendentalen Erfahrungen.

Und jetzt zum Punkt. Wir verabredeten uns zu einem Forschungstag im Labor des Lebens bei uns zu Hause und eröffneten uns Einblicke in die Schwingungswelt meines Hirns in diversen Versuchsreihen. Wir hatten neun Versuchspunkte, darunter waren beispielsweise:

  • Lukas Normalzustand (offene Augen)
  • Lukas Rechenaufgabe (offene Augen)
  • Lukas Meditation (geschlossene Augen)
  • Karo Drehleierspiel, Lukas hört zu (mit geschlossenen Augen)
  • Lukas Drehleierspiel ohne und mit singen (mit geschlossenen Augen)
  • Karo & Lukas Drehleierspiel ohne singen (mit geschlossenen Augen)
  • Karo & Lukas Drehleierspiel mit singen (mit geschlossenen Augen)

Die Versuchspunkte führten wir also in einem ruhigen & vertrauten Setting für 5-10 Minuten aus und dokumentierten meine Hirnwellen und deren Verhalten.

Motorische und kognitive Aktivität verschiebt die Frequenz (Hz) nach oben.

Alle getätigten Aufnahmen der Diagramme, wurden “on the flight” gemacht. Daher sind manche Screenshots etwas zu spät aufgenommen worden. Die elektrischen Ströme ändern sich stetig.

Im Diagramm Lukas und Karo Drehleier (geschlossene Augen) siehst du einen roten Pfeil. Dieser zeigt die maximale Übereinstimmung der Hirnwellen im Alphawellenbereich (gelöste und entspannte Grundhaltung) an.

Solange die Aktivität meiner Mundmotorik für das Singen und Tönen gering blieb, wurden auch hier keine Hirnwellen festgestellt, die mich vom Alphazustand wegbrachten.

Unsere Auswertung ergab, dass ich auf jeden Fall ein Gehirn besitze (auch wenn ich das manchmal nicht glauben kann). Außerdem haben wir erkannt, dass durch die Musik der Radgeigen meine Hirnwellen mehr in den Alphazustand gerückt sind – mehr sogar als beim Meditieren. Bedeutet im Klartext, dass die Schallwellen eine beruhigende und entspannende Wirkung auf mein Nervensystem hatten. Besonders stark war die Entspannung dann, wenn ich nicht darüber nachgedacht habe, welche Taste ich gleich drücken oder welchen Ton ich singen werde. Langgezogene, sphärische, konstante Schallwellen brachten die größte Kohärenz (Gefühl des „Einsseins“).

Meine zusammenfassende Interpretation der Versuchsreihe ist ganz einfach: Weniger ist mehr. Wenige Wechsel der Töne und bewusstes Ankommen im Hier und Jetzt bringt mehr Tiefe im Erleben und im Sein. Denn eigentlich sind wir Menschen von Grund an entspannte Wesen.

Damit lässt sich die Frage, ob unsere Radgeigenmusik einen Beitrag zum Frieden unter den Menschen leisten kann, mit: „Ja, das kann sie!“ – beantworten.

Abschließend möchte ich noch von meiner persönlichen, nicht wissenschaftlichen sondern gefühlten Erfahrung berichten, die ich im Zusammenspiel von Karo und mir, unseren Drehleiern und unseren tönenden Atem (singen, summen) hatte:

Das bislang tiefste Gefühl der Verbundenheit zum Leben und zu dem was ist, habe ich während eines Zusammenspiels mit Karo und unseren Drehleiern erlebt. Die Sounds gingen mir sehr tief unter meine Haut. Es ist für mich die intensivste, verbindendste und bewegendste Musikerfahrung, die ich in meinem aktiven Musik-Erleben hatte. Und ich bin dem Leben und der Kraft, die uns geschaffen hat, dafür dankbar, dass ich diese Einheitserfahrung machen durfte und sie weiterhin mit anderen Lebewesen teilen werde.


„Die hohen Rhythmen will ich fassen,

die traumhaft leicht, die kleinen

Melodien zum Schweben bringen.

Will meinen Atem durch die

Kehle meines Kopfes schwingen lassen,

damit sich diese Klänge

als Gesänge

in allerhöchste Räume heben.“

(Ursula Schumann, Dichterin)


Vielleicht hast du schon festgestellt, dass wir eine Kostprobe unserer Drehleiermusik in den Reiter „Klangreise“ gestellt haben. Wir sind gerade dabei, die Erkenntnisse unserer Forschung in einem Studio in Hamburg umzusetzen und aufzunehmen, um dir damit noch eine bessere Erlebnisqualität unserer Musik zu geben. Auf unserer To-Do-Liste steht auch noch Drehleiermusik im Krankenhaus (Erfahrungen werden wir berichten!).


 Impressionen vom Erstkontakt mit der Lilaleier:

voll eingetaucht in den Sound der Lila

Weitere Bilder zur Lilaleier findest du Hier.


“Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen.”

(Yehudi Menuhin)


Wir wünschen dir eine erholsame & schöne Weihnachtszeit! Bis bald im neuen Jahr.

LuLeiKa

2 Antworten auf „Labor des Lebens“

  1. hi – Ihr Zwei . . . – weiss gar nicht, was ich sagen soll – nach all dem, was ich gelesen und auf Eurer “Klangreise” nun auch gehört habe.. Ich will ganz ehrlich sein: Die ganze Thematik ist schon sehr sehr speziell – aber gleichwohl hochinteressant ! Den Unterschied zwischen 432 hz und 440 hz hätte ich so ohne weiteres vermutlich gar nicht feststellen können. Habe dann aber einfach nur das musikalische Gehör eingeschaltet und es gefragt: “Was hört sich für Dich besser an? Welche Version würdest Du wählen? Und tatsächlich war es die 432 hz-Version… Die nahezu wissenschaftlich unterlegten Ausführungen stören beinahe – schaffen aber vermutlich erst die Bereitschaft, sich überhaupt auf das Erlebnis “Klangreise” einzulassen… Für meditative und spirituelle Zwecke könnte ich mir ganz persönlich Eure Drehleiermusik sehr erfolgversprechend vorstellen – für Hochzeiten eher weniger …
    Verständigungsprobleme kann es wegen ihrer Internationalität gar nicht geben – das sehe ich auch so. Macht unbedingt weiter mit dieser schönen Reise. Und nehmt möglichst viele mit ! Unser Planet braucht nicht Lärm, nicht Dreck – sondern gaaanz viel Herz (aber nicht mehr als 432 hz… 🙂

    1. Wooow Gisbert, danke für das schöne, ausführliche und ehrliche Kommentar! Waren die Tage bei Familien und mit Fieber unterwegs, daher die späte Antwort.
      Dein Kommentar hat uns zum Lachen gebracht; es freut uns, dass du den Unterschied zwischen 440 und 432 hz geFÜHLT hast. Ja, manchmal scheint diese wissenschaftliche Untermauerung nötig zu sein – wobei wir auch wie du denken, dass unsere Muttererde und Gesellschaft nun ganz viel ? benötigt!
      Ja mal schauen was für Leute heiraten – vielleicht ist unsere Musik ja auch eher was für Beerdigungen ?. Aber im Ernst – es kommt immer auf die Menschen drauf an…
      Ganz liebe Grüße,
      LuLeiKa ?

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