Was ist bei uns in den Jahren der Ankunft in Hinterpommern geschehen?

Zunächst einmal: es war sooo viel los, dass wir wenig Zeit fanden, unsere Internetpräsenz zu pflegen. Nun öffnen sich endlich ein paar Zeitfenster & wir beginnen hiermit eine kleine Reise durch diese intensive Zeit.

Im Frühling 2022 kamen wir hier an und zogen als kleine Familie – noch zu dritt – in ein Zimmer im nächstgelegenen Gebäudekomplex. Ein paar hundert Meter von unserem erwählten Hektar Land entfernt, das uns mit seinen zauberhaften Hügeln, Wiesen und einigen bereits größeren Eichen grüßte. Zwar glücklich, dass wir so nah eine Unterkunft im Gebäudekomplex des Landverkäufers fanden, war es in diesem Zimmer doch dunkel, kalt & feucht mit Schimmel an der Wand. Außerdem eine Baustelle bis zur Zimmertür mit Lärm oder lauter Musik. Da der Abzug des Schornsteins nicht richtig funktionierte, gelangten sogar Rauchgase zu uns ins Zimmer. Dazu kam die mangelnde Hygiene im Sanitärbereich und bei Stromausfall (kommt hier tatsächlich öfters auch über Tage hinweg vor) ging die Toilettenspülung nicht. Dann das Durcheinander in der Küche – stellt euch eine WG mit wechselnd 3 bis 8 Parteien vor. Kaum Privatsphäre und Ruhe als Familie. Das halbe Jahr unter diesen Umständen war für uns eine große Herausforderung.

„Hier werden wir mit Kind nicht überwintern!!! Bau uns ein Häuschen auf unserem Land, Lukas.“

Gesagt – getan. In sieben Wochen intensiver Kernbauzeit ließ Lukas ein zwölfeckiges, wunderschönes Häuschen auf unserem zukünftigen Landsitz entstehen. Immer wieder bekamen wir über unsere 1. Phase der Krautfindung finanzielle Unterstützung, sodass wir rechtzeitig weiter Baumaterial und auch den Ofen kaufen konnten. Damit Mann sich zu 100% auf den Bau konzentrieren konnte, fuhr ich in dieser Zeit mit unserer zweijährigen Tochter wieder nach Deutschland zu den weit entfernten (Schwieger-)Eltern.

Der Bauplatz wurde abgesteckt
An dieser Stelle sollte das Häuschen gebaut werden – erstes Abstecken der zwölf Ecken.
Lukas durfte sogar selber den Bagger fahren- natürlich sehr spannend für unsere Tochter.
Wir bauten eine Plane über das entstehende 12eck und schützen uns so vor Sonne und Regen, sehr empfehlenswert! Drainage nicht vergessen!
Würde ich heute nochmal bauen, wäre ein größerer Bodenabstand besser: A) Stauraum B) Ventilation C) Mehr Überblick, wer unser Untermieter ist 😉
Bis tief in die Nacht gearbeitet – platt und erleuchtet über die Fertigstellung des ersten Bodens. Damals wusste ich nicht, dass dies mein Allgemeinzustand sein wird für die kommenden Wochen.

Lukas begann mit einem provisorischem Trenntoilettenhäuschen, schlief direkt neben der Baustelle in einem kleinen Zelt – oft nur wenige Stunden in der Nacht & stellte sich in dieser Zeit auf kaltes und weniges Essen um. Dafür aber viel Espresso. Zum Glück griffen auch Freunde und Bekannte unter die Arme – sei es beim Anpacken und Planen des Hausbaus oder zubereitetes Essen vorbeibringen. Es war eine Phase, in der Lukas Unglaubliches schuf – und dabei so an seine Grenze ging! Als ich mit unserer Tochter Ende September wieder kam, habe ich ihn im hohen Gras nicht finden können, so schlank ist er geworden.

„Ich stehe die seltenen Male in der Bauphase vor einem Spiegel und will mich duschen. Da sehe ich etwas, was ich noch nie an mir gesehen habe… ein Sixpack! Da kann ich nur jedem empfehlen, ein Haus zu bauen. Noch nie habe ich mich so leicht gefühlt. Der Sommer war unglaublich heiß und lang, sodass noch eine kräftige Bräunung der Haut dazu kam – dachte ich – doch nach dem Duschen war die Bräunung abgewaschen.“

Glücklich zogen wir in unser erstes eigenes, etwa 28m² großes Einraumhaus ein – mit einer großartigen Küchenhexe als Herz, mit der wir ausschließlich heizten und kochten, was einiger Umstellung von uns benötigte. Die ersten sechs Wochen ohne Strom und ein Jahr ohne fließendes Wasser machten die Umstände nicht leichter, doch war es unser Raum. Wir wuschen das Geschirr mit Regenwasser draußen ab, im Winter in einem großen Topf auf dem Ofen. Draußen eine Eimerdusche mit Wasser, das wir auf dem Ofen erwärmten, manches Mal auch drinnen mit kleiner Wanne & Duschzelt direkt vor der dem Ofen. Mit Handwägen zogen wir 1 Jahr lang Trinkwasser, Einkäufe und Weiteres den Hügel hoch (auch im Winter mit Schnee – und manchmal wollten die Einkäufe lieber im Schnee als bei uns zu Hause landen), denn immer wieder gab es lange Phasen, in denen wir mit unserem Auto nicht bis zum Land fahren konnten – der Zufahrtsweg war oft ein Schlammfeld, in dem wir uns öfter festfuhren. Die Trenntoilette rückte näher ans Haus – doch mussten wir eine Zeit lang bei Wind und Wetter durch Schlamm waten, um dort hin zu gelangen. Mit Kleinkind und manchmal auch noch Katzenbesuch wurde es in dem umfunktionierten Duschzelt immer enger, denn kurz nach dem Einzug begann auch schon neues Leben in mir zu wachsen. Wir freuten uns so, dass die gesamte Schwangerschaft und auch Geburt auf dem Familienlandsitz stattfinden konnte, wenn auch unter einfachen Umständen.

Unsere Karo, mutig, lustig & flexibel.
Beim Einzug.
Leckere Ofenkartoffeln: wir nutzen den Ofen zum Backen, Kochen, Toasten, Wäschetrocknen und Heizen.
Karo, Tochter und der Waldzausel
Für unsere Tochter ist alles ein großes Abenteuer. Im Hintergrund zu erkennen: Die erwähnte Trockentrenntoilette.
Unsere Luxus Trocken Trenn Toilette
LTTT = Luxus-Trocken-Trenn-Toilette. Bei starkem Wind knallt der Klodeckel auf den Rücken. Es regnet auch gerne mal rein ;-).

„Wenn man auf den Familienlandsitz zieht, wird doch alles viel schöner & entspannter!“ – hören wir öfters von Freunden & Bekannten. Auf die lange Sicht bestimmt. Wir hatten jedoch noch nie so viele Herausforderungen, wie in dieser Zeit. Oft verzweifelt und am Boden mit Tränen in den Augen, immer wieder über uns hinauswachsend – was sich natürlich auch auf unsere Beziehung auswirkte. Doch haben wir es gemeistert. Diese schwere Zeit haben wir unter anderem dadurch geschafft, weil wir in den vorherigen 17 Jahren Beziehung viel Kraft für diesen Weg angesammelt haben. Wir erwähnen dies, weil wir mehrfach auf eine romantische Sicht des Aufbaus eines Familienlandsitzes gestoßen sind – und diese romantischen Momente gab es auch! Doch ist für uns und alle Siedler, die wir kennen, diese Phase insgesamt ein großer Kraftakt (gewesen), besonders mit kleinen Kindern.

In dieser Zeit wohnte auch Lola, das Schaf, hauptsächlich bei uns. Sie hatte ihre 2 Kameraden verloren bei einem Angriff eines Wildtieres und fand bei uns Herdenanschluss. So sehr, dass sie sich kraulen ließ, auf unserer Terrasse schlief, mit unserer Tochter und anderen Kindern spielte und auch eine Katze schlief auf ihr. Das Verhältnis zwischen Kindern und Lola spannte sich jedoch an und sie wehrte sich gegen zu aufdringliches Spielen oder Ärgern mit sehr kräftigen Kopfstößen. Es wurde entschieden, dass sie zum Wohle aller in eine Schafherde gebracht wird. Wir haben gute Erinnerungen an sie und manchmal sehnen wir uns nach ihrer Nähe.

Lola wurde zahm, unter unserem Terrassendach hatte sie eine ruhige Bleibe.
Unser anfänglicher Garten im Winter/ Herbst 2022.

Im Teil 2 (folgender Blogeintrag) erzählen wir weiter – wie die Winterwinde über die Wiesen fegten und unser Häuschen auf die Probe stellten ...

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